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Alt 06.02.2006, 22:05:39   #15
sven
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Zitat:
Zitat von AmigaHarry
Ich habe versucht, das Ganze ein bischen mit einfachen Bildern zu illustrieren (habe in meinem Fundus gekramt und was passendes gefunden ). Leider schaffe ich es nicht, die Bilder hier in den Beitrag hineinzulinken , aber du kannst sie dir in meiner Gallerie ansehen....
Hallo Harry!
Sehr schön!
Das mit den Bildern ist jetzt, wo sie erst online sind, ganz einfach.
Im "Antwort schreiben" Fenster ist direkt unter dem Titelfeld genau auf Höhe von "Nachrichtentext" eine Taskleiste, der zweite Button von rechts heißt I M G, der gehört gedrückt, bevor du die url vom Bild in den Text einfügst, und wenn du danach den (jetzt gesternten) Button wieder drückst, hast du alles richtig im Beitrag eingefügt.
Z.B. so:
http://www.gs-500.de/modules/mx_smar...cm&pic_id=6708
Dieses Bild zeigt sehr schön, was ich mit "eine vom Betrag her konstante, mit Kurbelwellendrehzahl, aber in entgegengesetzter Richtung umlaufende Kraft" meinte. Die Kurbelwelle in der Graphik rotiert im, die Resultierende aus Trägheitskraft des Kolbens und Fliehkraft des Gegengewichts gegen den Uhrzeigersinn. Mit etwas Fantasie erkennt man auch, daß sie vom Betrag her genauso groß ist wie die Fliehkraft des Gegengewichts und genau halb so groß wie die max. Trägheitskraft des Kolbens (bzw. der osszillierenden Masse). Und zwar genau dann, wenn der Wuchtfaktor 1/2 beträgt, d.h. das Produkt aus Masse und Abstand zur Drehachse des zusätzlich zum Ausgleich der rotierenden Massen (die werden natürlich immer komplett gegengewuchtet) angebrachtem Gegengewicht ist gleich dem aus halber osszillierenden Masse und Kurbelradius.
Nur dann bewegt sich die Spitze des in der untersten Zeile dargestellten Vektors ("resultierende Zentrifugalkraft") auf einer Kreisbahn. Diese konstante, rotierende Kraft wird normalerweise dann angestrebt, wenn entweder Ausgleichswellen oder weitere Kurbelkröpfungen zum Ausgleich der Kräfte erster Ordnung beitragen können, aber nicht bei Einzylindern ohne Ausgleichswelle. Und zwar deshalb, weil man davon ausgeht, daß der vertikal wirkende Anteil der resultierenden Zentrifugalkraft unangenehmere Wirkung hat als der horizontale. Bei einem stehend eingebauten Einzylinder ist die Welle deshalb mit einem größeren Wuchtfaktor ausgestattet, so daß die Fliehkraft des Gegengewichts einen größeren Anteil der Trägheitskraft des Kolbens ausgleicht. Unser Kreis wird dadurch abgeflacht, aber leider nicht nur das, sondern zusätzlich "in die Breite gezogen", in Längsrichtung (9Uhr - 3Uhr) wirkt ja nur die jetzt größere Fliehkraft ohne Ausgleich durch die Trägheitskraft. Der Motor schüttelt jetzt also weniger auf und ab, dafür stärker vor und zurück als mit 50%igem Wuchtfaktor. Bei liegenden Einzylindern (z.B. Aermacchi) erreicht man dasselbe natürlich durch einen Wuchtfaktor < 1/2.

Zitat:
Sehen wir uns jetzt mal nur die Kurbelwelle schematisch mit 2 um 180° versetzten Gewichtern (Pleuel, Kolben) an: Bild Motor3 zeigt dann die vektorielle Lageänderung einer nicht abgestützten Welle bei Drehung. Das ist eine normale Zentrifugalkraft, welche durch die verdickten Kurbelwangen gegenüber dem Hubzapfen ausgeglichen (gewuchtet) werden kann (was aber zu 100% nicht sinnvoll ist, wie wir später noch sehen werden...)
Also das ist der einzige Punkt, indem ich dir widersprechen muß: wenn Bild3 das Taumeln der Welle mit Kolben und Pleueln darstellt, dann ist das eben keine "normale" Zentrifugalkraft und kann eben nicht durch Gegengewichte an der Kurbelwelle ausgeglichen werden, weil dieses Taumeln gegen die Drehrichtung der Kurbelwelle stattfindet: der Motor paddelt sozusagen rückwärts(das Taumeln wird ja durch die in Bild6 gezeigte, rückwärtsdrehende resultierende Kraft verursacht), weshalb man ihn ja auch mit einer rückwärtsdrehenden Ausgleichswelle beruhigen kann...

Zitat:
Was heist das jetzt fürs Tuning:
Genau, recht viel weiter ist ES1-C jetzt wohl auch noch nicht.
Alles graue Theorie hier...
Nehmen wir mal an, er kauft sich einen Satz schön leichte Schmiedekolben (groß aufbohren darf er ja eh nicht...)
Was kann er dann sinnvollerweise am Kurbeltrieb ändern?

1. Möglichkeit: er läßt ihn wie er ist.
Durch die leichteren Kolben ist jetzt das Gegengewicht zu schwer, bzw. der Wuchtfaktor beträgt mehr als das Optimum 1/2.
Ergebnis: die Massenkräfte von Kolben und oberer Pleuelhälfte sind überausgeglichen, im OT/UT überwiegen jeweils die in entgegengesetzter Richtung wirkenden Fliehkräfte, die senkrecht zur Zylinderachse wirkenden Anteile der Fliehkräfte von Gegen- und Ausgleichsgewicht gleichen sich nach wie vor aus, der Motor "kippelt um die Längsachse".

2. Möglichkeit: er paßt die Wuchtung an die geringere Kolbenmasse an.
Das ist selbst in einer sehr gut ausgerüsteten Werkstatt nicht möglich, dazu braucht's wegen dem 180° Versatz professionelle (=dynamische) Wuchtmaschinen, statisch "auf Null" wuchten bringt in diesem Fall überhaupt nichts. Allerdings könnte er dann ungeniert die Wellen erleichtern, um das Trägheitsmoment des Motors zu verringern, falls er dadurch die Wuchtung verändert, wird das ja beim nachträglichen Wuchten wieder korrigiert. Der Wuchtfaktor soll am Schluß natürlich 50% betragen, aber das dürfte ja jetzt langsam klar sein...

3. Möglichkeit: Er läßt die Ausgleichswelle weg.
In diesem Fall ist womöglich der Wuchtfaktor 1/2 nicht optimal. Ähnlich wie oben beim Einzylinder ist es vielleicht(!) günstiger, wenn die "Paddelbewegung" des Motors flacher, und dafür weiter ausfällt (siehe Bild3 rechts: wenn das Wellenende nicht einen Kreis, sondern eine flache Ellipse beschreibt). Begründung wäre nur, daß der Motor dann stärker um die Hochachse, und schwächer um die Längsachse vibriert.
Dazu müßte der Wuchtfaktor erhöht werden, d.h. die Gegen- und Ausgleichsgewichte relativ zum Kolben schwerer gemacht werden. Da wir aber leichtere Kolben als gegeben vorausgesetzt haben, ergibt sich das sozusagen automatisch.

Die Frage, die sich bei dieser und der ersten Möglichkeit stellt, ist natürlich: wie gut bzw. genau ist die GS Kurbelwelle ab Werk eigentlich gewuchtet? Hat sie überhaupt nachträglich angebrachte Wuchtbohrungen oder verläßt sich Suzuki auf die Genauigkeit des Schmiederohlings?

Zitat:
Conclusio: ohne AW schüttelts immer, in die eine oder andere oder beide Richtungen - kann man sich aussuchen
Genau - umsonst ist der Tod!


Zitat:
Nochwas zur Aprillia: Das ist ein 60° Motor und hat natürlich Schwingungen 1. und 2. Ordnung und du hast natürlich recht, die AW kompensieren in erster Linie die Trägheitskräfte, aber prinzpiell ist es ähnlich wie beim Reihenmotor - auch hier wird die Resultierende beider Kräfte kompensiert (allerdings für jeden Zylinder einzeln über 2 AW je Zyl....- die Jungs in Gunskirchen sind gut...... )
Wie bitte? Vier Ausgleichswellen stecken in dem Motor? Damit könnte man ja erste und zweite Ordnung (mit 20.000/min drehenden Ausgleichern) komplett ausgleichen!?

Soviel für heute!
Bis demnächst
Gruß
Sven
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lefty losey - righty tighty!
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