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... maßgeblich für die beschleunigung ist das drehmoment und nicht die leistung ...
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Ah, sind wir wieder beim Thema. Wir hatten das ja neulich in
Zusammenhang mit (stufenlosen) Wandlern bei Rollern...
Das Problem ist in diesem Fall, daß man sich von einer Formel leicht auf
den Holzweg schicken läßt, deswegen mach' ich's mal ohne.
Die "Drehmomentfraktion" argumentiert so:
Die Beschleunigung ist dann am besten, wenn die maximale Kraft am
Reifenumfang (Kontaktpunkt zur Straße) wirkt. Diese Kraft ist proportional
zum Drehmoment am Hinterrad, und dieses wiederum zum Drehmoment
an der Kurbelwelle. Also beschleunigt das Mopped dann am besten, wenn
das maximale Drehmoment an der Kurbelwelle anliegt. Bei maximaler
Leistung ist das zugehörige Drehmoment natürlich geringer, also auch die
Beschleunigung schlechter.
So, und was soll daran falsch sein?
Daran ist nix falsch, bloß stimmt es leider trotzdem nicht!
Es wird nämlich stillschweigend vorausgesetzt, daß jedesmal dasselbe
Übersetzungsverhältnis wirksam ist, aber genau das ist ja in der Praxis
nicht der Fall. Wer bei einer bestimmten Geschwindigkeit den Motor mit
maximalem Drehmoment statt mit Nenndrehzahl (das ist die wo die
Leistung maximal ist) betreiben will muß ja, weil der Motor dann
langsamer dreht, eine längere Übersetzung verwenden. Das führt aber
dazu, daß das Drehmoment am Hinterrad wieder geringer wird. Oder
andersrum ausgedrückt: bei maximaler Leistung ist zwar das
Drehmoment nicht mehr so dolle, aber dafür kann man einen (oder zwei)
Gänge runterschalten.
Wenn bei einer vorgegebenen Geschwindigkeit das Drehmoment am
Hinterrad maximal sein soll (genau dann kann das Mopped z.B.
maximal beschleunigen (oder maximal steile Berge hochfahren)),
dann
muß dazu die Übersetzung so gewählt werden, daß der Motor dabei seine
maximale Leistung abgibt.
Und wer sagt jetzt, daß es nicht noch eine andere Drehzahl, vielleicht
irgendwo zwischen den beiden erwähnten gibt, bei der noch mehr Kraft
am Radumfang wirkt?
Das sagt uns die kleine Formel "Leistung ist gleich Kraft mal
Geschwindigkeit" (Skalarprodukt):
Genau bei der Drehzahl, bei der (zu beliebig, aber fest gewählter
Geschwindigkeit) die maximale Radumfangskraft wirkt, ist wegen
oben erwähnter Formel automatisch auch die Leistung maximal.
Das heißt, um optimal zu beschleunigen, müßte der Motor währends des
gesamten Beschleunigungsvorgangs permanent mit Nenndrehzahl laufen.
Das geht natürlich nur mit einem stufenlosen Getriebe wie es z.B. die
meisten Roller haben, bei Schaltgetrieben kann man nur versuchen, ihn in
einem möglichst günstigen Bereich zu halten. Wo der jetzt genau liegt
kann man ohne Leistungsdiagramm und Getriebestufung zu kennen nicht
sagen, er wird wahrscheinlich die Nenndrehzahl enthalten, aber nicht
unbedingt die mit dem max. Drehmoment.
Gruß
Sven