Einzelnen Beitrag anzeigen
Alt 25.09.2007, 15:44:24   #85
gplchris
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 25.09.2005
Ort: Koblenz
Alter: 44
Beiträge: 178
Standard

@ in flames
Warum sollte man Drogen härter bestrafen als Alkohol, wenn sie den Verkehr in gleicher Weise gefährden / nicht gefährden.

Alkohol baut sich aber berechenbar ab. Drogen kann man auch noch lange nachweisen, wenn sie keine Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit haben. Beim Alkohol merkt man auch, ob man noch fahren kann. Promillerechner braucht es da nicht. Ein Bier kann schon reichen und das spürt man dann auch. Spannend wird es erst beim restalkohol, den man vielleicht nicht spürt.

Ob man unter leichtem Drogeneinfluss od. gar nur Drogenbesitz gefährlicher fährt als mit Alkohol, wage ich zu bezweifeln. Da fehlt mir der vergleich, sonst würde ich dem widersprechen. Grotesk wird es aber, wenn der Drogenbesitz oder der regelmäßige Drogenkonsum ( bsp.-weise alle 2 Wochen Hasch ) den führerschein gefährden soll. Schön, dass man eben deswegen mittlerweile Grenzwerte eingeführt.

Die politische Debatte leidet vielleicht auch ein bisschen an der Verlogenheit. Nicht nur der Verwaltungsbeamte aus der Mittelschicht trinkt eben gern Alkohol, was dann "Genuss" ist, und stänkert gegen Drogenkonsum, der da "kriminell" ist. Drogen lassen sich leichter der Jugend, Alkohol den Älteren ( bier für den arbeiter, wein für den richter ) zuordnen. So ganz grob haut das hin. Mittlerweile ist aber selbst der Alkohol nicht für alle gleich; siehe Alkopops und die 0-Promillegrenze für Fahranfänger.
Was kriminell ist ( das "Was" wird immer mehr zu einem "Wer"), ist ziemlich willkürlich festgelegt. Drogenkonsum ist nicht von Natur aus verwerflich, sondern vom Gesetz so eingeordnet ( man könnte auch sagen, es wird kriminalisiert ). Das Gesetz stammt von Leuten, die nicht unbedingt die Hellsten sind und nebenbei auch meist nicht von ihm betroffen werden und von den Betroffenen nicht gewählt wurden. Meist trifft es die Jüngeren. Ich habe mir das nicht ausgedacht. Es ist ein soziologisches Phänomen, dass der Staat Gesetze gegen die jüngere Generation macht, gleichzeitig aber die Eltern und Großeltern ihre Nachkommen privat stark fördern.
Wie sehr das Alter die Diskussion bestimmt, sieht man an diesem Forum, wo viele nicht so alt sind ( logisch, GS 500 ) und einem vergleichbaren BMW-Forum. Die Routiniers scheinen sehr feindselig gegenüber Jüngeren eingestellt zu sein. Nach dem was ich beim Sicherheitstraining beobachten konnte, ist dies nicht gerechtfertigt.

@remoteC
Dass Fahranfänger ihr Fahrzeug schlechter beherrschen und deshalb Unfälle bauen ist bullshit. Jedes Jahr gibt es in Deutschland einen Verkehrsgerichtstag, der sowas analysiert. Das ist zwar nicht automatisch richtig, aber doch ein Anhaltspunkt:

- Senioren sind genauso oft Hauptunfallverursacher wie Anfänger. Das Beste Autofahreralter ist mit ca. 30-40, wenn man Erfahrung hat ohne sonst körperlich und charakterlich abzubauen.
- Hauptursache sind die Risikofahrten ( Disko, Nachts, Freunde, Müdigkeit, Alkohol...) und die Selbstüberschätzung
- Die Fahrzeugbeherrschung spielt eine nur untergeordnete Rolle
- Drängler sind meist die 30-40 jährigen

Gegen die Risikofahrten und die Waghalsigkeit hilft kein Sicherheitstraining. Das hilft nur dem ADAC und dem Gewissen der Eltern. Gegen Verantwortungslosigkeit hilft nur Verantwortung. Das ist die Idee hinter dem "Fahren ab 17". Wenn die Gesellschaft jungen Erwachsenen keine Verantwortung überträgt, braucht sich nicht wundern, wenn kein Verantwortungsbewusstsein ensteht. Die andere Seite ist, das Autos als Statusymbole gern schnell gefahren werden. Das dämliche automobile Statusdenken abzuschaffen wäre mal eine echte Errungenschaft.

Übrigens wird in den Fahrschulen gelehrt, dass der Bremsweg quadratisch zunimmt. Es gibt auch gute Fahrlehrer, die nicht so geringschätzig behandelt werden sollten. Die Fahrzeugbeherrschung, die man in einer guten Fahrschule lernt, reicht aus. Übrigens glaube ich nicht, dass Roswitha, 55, ihr Fahrzeug besser beherrscht. In der Lokalzeitung konnte ich schon mal lesen, wie eben dieses Klischeefrauchen "schmunzelnt" meinte, dass sie eine Vollbremsung nicht können müsse, weil sie ja vorausschauend fahre.....
Will man sein Auto im Straßenverkehr am Limit bewegen, wäre man eh schon jenseit aller StVO-Vorschriften.

Das stimmt auch mit meinen Erfahrungen überein. Wenn jemand sein Fahrzeug nicht beherrscht, dann sind das meist Senioren und Frauen um die 50 Jahre. Kurvenschneiden, ungeschickte Bremsungen und Vorfahrtsverletzungen können passieren. Und das ganze bei Schneckentempo. Ist manchmal gefährlich, behindert oft. Es kracht nicht, weil die anderen aufpassen.

Die jüngeren schneiden auch die Kurve, wenn sie sie aus Überschätzung oder Rücksichtslosigkeit zu schnell für sich oder andere fahren. Es kracht dann oft, weil Bäume eben nicht ausweichen und die schnellere Geschwindigkeiten die Reaktionszeit für die anderen verkürzen. An der Fahzeugbeherrschung liegt es wohl nicht.

Fahrsicherheitstrainings machen nur den ADAC reich. Wenn die gewonnene Fahrzeugbeherrschung durch erhöhtes Risiko eingegangen wird, war eh alles umsonst.
Was man kaum trainieren kann, ist das Verhalten unter Schreck und die Reaktionsschnelligkeit unter Schreck. Was nicht trainiert wird, ist Hypothesenbildung und intelligentes Fahren. Und einen dummen Proll wird man mit dem Training auch nicht verändern.

Ganau das gleiche Problem haben Motorradtrainings. Sie sind nutzlos für jeden, der seinen Schein ohne Schmiergeld bestanden hat.
gplchris ist offline   Mit Zitat antworten