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Alt 27.11.2008, 19:33:12   #10
berndy
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Standard Re: Die Katze im Sack

Wenn man eine gut ausgestattete Werkstatt, viel Platz, Schrauber-know-how und ganz viel Zeit hat, kann man alte Schrottkisten kaufen und neu aufbauen.

Es gibt viele gut gelungene Objekte.

Allerdings sollte man sich im Klaren darüber sein, dass das schnell unrentabel werden kann.

Es gibt viele Arbeiten, die man nicht selbst erledigen kann, Zylinder- oder Kurbelwellen überarbeiten, Räder einspeichen und zentrieren usw. Das wird dann richtig teuer.

An meiner 1971er Zündapp KS 100 (ziemlich selten) hat sich vor vielen Jahren (1993) das untere Pleuellager verabschiedet, die Bröckelchen haben dann Kolben und Zylinder beschädigt, sämtliche Lager wären zu tauschen gewesen ... Das gute Stück hatte auch noch einen hartverchromten Alu-Zylinder. Eine Raparatur wäre auf ca. 2500 DM gekommen. Und das bei einem 100 cm³, 10 PS Einzylinder. Neuteile gabs keine mehr, einen passende Kolben hätte ich anfertigen lassen müssen. Mahle hätte dann den Zylinder überarbeitet. Machbar wäre es gewesen aber für mich total unrentabel. Naja, hab das Teil mit Gewinn und kaputtem Motor an jemanden verkauft, der es haben wollte.

So ähnlich ging es mir mit einer NSU Fox 100 cm³ Viertakt von 1950. Auch Pleuellagerschaden u.a. sowie einige Fehlteile. Alleine für das Rücklicht, nur ein rostiges Gehäuse mit Streuscheibe, wollten die damals 80 DM, die Innereien hätte ich mir dann woanders suchen müssen. Nachdem ich schon viel Geld in das Ding versenkt hatte und mir bewusst wurde, dass es nie etwas alltagstaugliches werden würde, hab ich das Ding wieder mit Verlust verkauft. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Seitdem lasse ich die Finger von so alten Gefährten. Das ist etwas für absolute Liebhaber, die so gut wie nie fahren wollen und über mehrere Jahre an den Fahrzeugen herumschrauben.

Was hingegen relativ leicht zu bewerkstelligen ist, wenn man über das nötige Kleingeld verfügt, sind alte BMW-Modelle. BMW fertigt fast alles nach. Allerdings für gutes Geld, dafür hälts dann aber auch.

Japaner aus den 70ern gehen bedingt noch. Gibt noch einige Gebraucht- und Neuteile für gutes Geld. Da würd ich aber auf Zweitakter setzen. Bei denen gehen zumindest keine Nockenwellen und Ventile kaputt. Allerdings sind Verbräuche von > 8 Litern (RD 250) einzukalkulieren.

Bei so einem Projekt sollte auf jeden Fall der Motor mechanisch gesund sein. Dichtungen kann man zur Not selber schneiden. Aber eine neue Kurbelwelle können die wenigsten selber schnitzen.

Ein Motorrad aufzufrischen um es wieder zu verkaufen lohnt in den meisten Fällen nicht, es sei denn man bekommts geschenkt oder machts nur wegen des Zeitvertreibs.

Außerdem an wen verkauft man so ein Ding?
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Man sollte es so oder so nicht übertreiben.
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