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Alt 31.05.2010, 12:16:56   #1
berndy
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Standard Alles über die Kupplung

Aus gegebener Veranlassung, weil immer wieder gefragt wird:

Allgemeines zum besseren Verständnis für völlig unbedarfte.

Was macht die Kupplung?

Die Kupplung trennt den Kraftschluss zwischen der Kurbelwelle und dem Getriebe, damit man anhalten oder den Motor starten kann, ohne ständig weg zu rollen. Beim Bremsen ist das auch hilfreich, man benötigt nicht so viel Bremskraft, als wenn der Motor ständig nach vorne schieben würde. Und sie verbindet den Kraftschluss zwischen Kurbelwelle und Getriebe, sonst ginge es nicht vorwärts.

Wie funktioniert eine Kupplung?

Die Kraft des Motors, welche an der Kurbelwelle abgenommen wird, wird durch eine oder mehrere Reibscheibe(n) und die dazugehörigen Gegenstücke durch einfaches Aufeinanderpressen übertragen. Das Aufeinanderpressen übernehmen Federn. Wenn man die Kupplung zieht, überwindet man die Federkraft und die Kupplungsscheiben werden auseinandergeschoben, man trennt sie sozusagen. Ein Teil der Kupplungsscheiben (auch Lamellen genannt) sind kraftschlüssig mit der Kurbelwelle, die Gegenstücke sind kraftschlüssig mit der Getriebeeingangswelle verbunden.

Die Übertragung der Handkraft (oder Fußkraft bei Fußkupplung) kann über einen Seilzug und Umlenkhebel (mechanisch) aber auch hydraulisch über einen Hauptzylinder, entsprechende Leitungen und einen Arbeitszylinder erfolgen. Das Prinzip ist mit dem der hydraulischen Bremse gleichzusetzen.

Um anzufahren muss man die Kupplung etwas schleifen lassen, damit das Fahrzeug langsam aus dem Stand beschleunigt werden kann. Würde man die Kupplung abrupt einkuppeln, würde das Fahrzeug einen Satz machen oder der Motor abwürgen. Das Schleifenlassen der Kupplung birgt auch den eigentlichen Kupplungsverschleiß. Was rutscht, wetzt sich ab.

Welche Arten von Kupplungen gibt es?

Es gibt Trockenkupplungen, häufig bei Pkw, Lkw und ausgefalleneren Motorrädern und Ölbadkupplungen, bei vielen unterschiedlichen Motorrädern. Daneben gibt es noch Fliehkraftkupplungen an Rollern bzw. Drehmomentwandler bei Automatikgetrieben in mechanischer oder aber auch hydraulischer Bauweise.


Die GS-Kupplung

Die GS besitzt eine Mehrscheiben-Ölbadkupplung, sie besteht aus 7 Belagscheiben und 6 Stahlscheiben, welche als Paket im Kupplungskorb sitzen.

Die Kupplung läuft im selben Öl, das auch den Motor und das Getriebe schmiert.

Die Reibwerte der Kupplungsbeläge sind so ausgewählt, dass die Kupplung mit normalem Motoröl funktioniert. Verwendet man Motoröl mit verschleißmindernden Zusätzen, kann es passieren, dass die Kupplung rutscht. Daher keine Experimente mit dem Öl.

Am Besten verwendet man Motorradmotoröl, das ausdrücklich für Ölbadkupplungen geeignet ist und benutzt keine, angeblich, verschleißmindernden Zusätze.


Die Kupplung der GS sitzt unter dem rechten Motordeckel.

Sie wird über den linken Handhebel, einen Seilzug, welcher am linken Gehäusedeckel (Ritzeldeckel) mündet, die Kupplungsschnecke (Ausrückmechanismus, sieht aus wie eine große Schraube mit einem ganz groben Gewinde), welche auf die Druckstange (die quer durch den Motor zur Kupplung geht) und die Druckscheibe betätigt.

Zieht man am Hebel, wird die Bewegung über den Seilzug auf den Ausrückmechanismus übertragen, der Ausrückmechanismus wird dabei etwas gedreht. Durch die Schraubenform und die Drehung bewegt sich der Ausrückmechanismus quer zur Fahrtrichtung und drückt gegen die Druckstange die dann gegen die Druckscheibe und so gegen die Federkraft die Kupplungsscheiben auseinander drückt.

Die Kurbelwelle treibt über ein Zahnrad den, auf der Getriebeeingangswelle drehbar gelagerten, Kupplungskorb an. Wie man schön auf der Schnittzeichnung sehen kann, greifen die Belagscheiben mit ihren außen liegenden Laschen in die Nuten des Kupplungskorbes. Die Stahlscheiben greifen mit ihrer inneren Verzahnung in die Verzahnung der Kupplungsnabe. Die Kupplungsnabe ist mit der Getriebeeingangswelle verschraubt.

Werden die Lamellen aufeinander gedrückt, ergibt sich so ein Kraftschluss zwischen Kurbelwelle und Getriebe. Trennt man die Lamellen, können sich die Belagscheiben und die Stahlscheiben unabhängig voneinander drehen, die Kupplung trennt.

Das Einstellen der Kupplung

Damit die Kupplung einwandfrei funktioniert, muss etwas Spiel im Ausrückmechanismus vorhanden sein, damit sich die Lamellen satt aufeinander pressen können.

Ist kein oder zu wenig Spiel vorhanden, drücken die Kupplungsfedern die Lamellen nicht richtig aufeinander und die Kupplung rutscht. Das merkt man beim Beschleunigen, der Motor dreht hoch, es geht aber kaum vorwärts.

Ist zu viel Spiel vorhanden, reicht der Weg des Handhebels nicht um die Kupplungslamellen richtig zu trennen und die Kupplung überträgt weiterhin etwas Kraft. Das merkt man im Stand mit eingelegtem Gang und gezogener Kupplung, die GS will immer nach vorne. Beim Schalten kann es auch Probleme, hakelige Gangwechsel usw. geben.

Das korrekte Spiel (Leerweg) der Kupplung soll, laut Werksvorgabe, 10 mm, gemessen am äußeren Ende des Kupplungshebels, betragen.

Zum Einstellen dieses Leerweges befinden sich am Kupplungszug zwei Einstellschrauben (kurz Einsteller). Einmal am Kupplungshebel, eine längs geschlitzte Hohlschraube mit einer ebenfalls geschlitzten Rändelmutter. Der Schlitz dient dazu, dass man einen neuen Zug einfädeln kann. Der angelötete Nippel würde nicht durch die Hohlschraube passen. Der zweite Einsteller befindet sich unten, wo der Zug in den Ritzeldeckel geht.

Der Kupplungszug besteht aus dem Innenzug oder der Seele und dem Außenzug oder der Hülle.

Um den Leerweg zu vergrößern muss man den Innenzug im Verhältnis zur Hülle verlängern bzw. die Hülle im Verhältnis zur Seele verkürzen. Dazu dienen die Einsteller. Dreht man die Einsteller hinein, wird die Hülle kürzer, der Zug schaut weiter heraus oder eben umgekehrt.

Durch sinnvolles Ein- oder Ausdrehen der Einsteller stellt man den Leerweg ein. Anschließend die Kontermuttern wieder anziehen. Meistens reicht der Weg am oberen Einsteller. Reicht der nicht mehr, kann man auch am unteren Einsteller drehen.

Dabei muss man aber darauf achten, dass die Einstellschrauben auch noch weit genug in ihren Aufnahmen stecken, sonst wird das Gewinde beschädigt und die Einstellschrauben können auch brechen.

Die Kontermuttern nicht mit Gewalt anziehen. Die geschlitzte Hohlschraube verkraftet kein hohes Drehmoment, die reißt gerne ab.

Reicht der Einstellweg an den Einstellern des Kupplungszuges nicht mehr oder die Schrauben würden zu weit herausschauen, muss man die Grundeinstellung am Ausrückmechanismus verändern.

Dazu den Kupplungszug lockern, die Einstellschrauben so weit es geht eindrehen.

Anschließend den kleinen Deckel mit den beiden Kreuzschlitzschrauben am Ritzeldeckel entfernen. Darunter befindet sich eine gekonterte Einstellschraube.

Die Kontermutter lösen aber nicht ganz herausschrauben. Das geht am besten mit einem gekröpften Ringschlüssel oder einem Gabelschlüssel. Zur Not auch mit einem Steckschlüssel.

Nun die Einstellschraube nach links drehen, also lösen. Beides sollte mit geringer Kraft möglich sein.

Wenn man viel Kraft aufwenden muss, stimmt was nicht, eventuell ist dann was verrostet. Das sollte man beheben.

Hat man diese Einstellschraube gelöst, sie sollte sich ohne Widerstand drehen lassen, schraubt man sie soweit ein, bis man gerade einen Widerstand spürt.

Nun drückt der Ausrückmechanismus gerade an die Kupplungsdruckstange.

Jetzt wieder ¼ bis max. ½ Umdrehung nach links (locker) drehen und die Einstellschraube kontern, das geht nur mit einem Gabel- oder Ringschlüssel, weil man die Einstellschraube in ihrer Position halten muss.

Anschließend den korrekten Leerweg mit den Einstellern am Kupplungszug einstellen.

Sollte die Kupplung trotz korrekten Leerwegs rutschen, sind wahrscheinlich die Belagscheiben und oder die Federn verschlissen. Die muss man dann ersetzen. Oder man hat doch falsches Öl eingefüllt.

Trennt die Kupplung nicht, könnte irgendwas an der Kupplungsmechanik klemmen. Möglicherweise sind auch Scharten in den Nuten des Kupplungskorbes, so dass sich die Lamellen nicht einwandfrei bewegen können.

Der Ausbau der Kupplung folgt dann irgendwann.

Geändert von berndy (28.08.2013 um 19:03:38 Uhr) Grund: Hinweise von chaos eingearbeitet. Ich hoffe jetzt passt das.
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