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Alt 12.06.2010, 06:39:19   #38
AmigaHarry
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Kleiner Exkurs in die Welt der Suzuki-Zündsysteme:

Allgemein definiert ist "Analog" eine aus diskreten Bauteilen aufgebaute Schaltung die unendlich viele elektrische Spannungs/Stromzustände kennt. Die Schaltungen sind mehr oder weniger aufwendig und haben keine "Eigenintelligenz" - da.h es gibt nur ein festes Verhältnis zwischen Drehzahl und Zündzeitpunkt, sowie zusätzlicher Vorzündregelung bei Drehzahlen unter ca. 3000rpm (früher meist sogar auch noch mit mechanischem Fliehkraftregler realisiert). Das wurde bei der GS bis ca. 1997/8 verbaut......

Digital ist das dann wenn der Zündzeitpunkt durch eine MPU errechnet wird (nach mehr oder weniger "intelligenten" Programmen. MPUs muss man sich dabei wie eine CPU mit Zusatzfunktionen wie speziellen E/A-Ports, RAM/ROM, etc. vorstellen - fast so wie ein heutiges SoC (system-On-a-Chip).
Dabei gibt es 2 Systeme:

1. Zeitpunkt wird auf Grund von Sensordaten über eine Formel errechnet
2. Der Zündzeitpunktsverlauf über die Drehzahl ist als Kennfeld abgespeichert

Meistens ist die Realität eine Mischung aus beiden Methoden: Abgespeicherte Kennfelder welche je nach Motor-Event mit Offsets versehen werden. Üblicherweise gibt es auch mehr als nur ein Kennfeld in solchen Systemen, welche unterschiedliche Leistungsstufen bzw. Betriebsmodi repräsentieren (siehe die GSXR-Serie)
Bei unserer GS ist das alles etwas einfacher, aber im Grunde auch so: Sie hat eine 8Mhz/8Bit CPU mit mindestens 2 (villeicht auch mehr - ist nicht so leicht rauszufinden) Kennfeldern und mindestens 4 Offsets (2,3. Gang, Neutral, PVLS).
Das 2. Kennfeld wird dabei gemeinsam mit dem 4. Offset beim Ansprechen des PVLS aktiv. Offset 1 und 2 wird im 2. und 3. Gang zur Erreichnung der Lärm- und Abgasvorschriften benötigt (Zündzeitpunkt wird zurückgenommen). Der Offsett 3 ist nur im Leerlauf und unter 1800 rpm aktiv und ist erst seit 2004 implementiert (Kat!)
Nach den wenigen zugänglichen Unterlagen hat die in der GS integrierte MPU ein ROM von 256KB, ein G-RAM(ähnlich einem FlashRAM!) von 16KB und 4KB echtes RAM. Wenn man weis wie die Datenmatrizen für ein Kennfeld (für die GS!) aufgebaut sind kann man davon ausgehen, das weit mehr als nur 2 Kennfelder + Offsetdaten im ROM Platz haben und theorisch auch eines im GRAM (zu dem es aber keinen - mir bekannten - Customport gibt). Ich gehe davon aus, daß im 4KB RAM temporäre Werte zwischengespeichert werden (die CPU führt auch einen Selbsttest und Test der angeschlossenen Peripherie durch (Kalibrierwerte) und wird auch einen Stack für die Abarbeitung der mehrdimensionalen Matrizen brauchen), bzw. die ganze Box auf Grund des Baukastensystems in der GS gelandet ist und vermutlich in anderen Modellen voll ausgenutzt wird.
Die Gixxer haben übrigends bis ca. 2006 32Bit-MPUS und jetzt satte 64Bit Maschinen. Das sind hochspezialisierte, sehr schnelle echtzeit MPUs (ähnlich Signalprozessoren) die auf ihrem Gebiet jede heute erhältliche normale CPU für PCs recht alt aussehen lassen. Deswegen schafft auch eine so "kleine" 8Bit MPU in der GS die ansich doch enorme Datenmenge/Sekunde.
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